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1020 Augarten - Flaktürme (690.011)
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Allgemeines oder Historisches 

 
Dieser Stahlbetonturm ist der ehemalige Leitturm [Gefechtsturm] eines Flakturmpaares, das mit zwei weiteren Paaren in Wien während des Zweiten Weltkriegs zwischen 1942 und 1945 nach Plänen des Architekten Friedrich Tamms zur Luftverteidigung der Städte erbaut wurde. Auf den sogenannten Leittürmen waren die Ortungsgeräte, auf den Gefechtstürmen die Flakgeschütze montiert. Von ehemals 16 Flaktürmen sind neben zweien in Hamburg nur noch die sechs Wiener Flaktürme    erhaltenen. Die übrigen fünf Türme in Berlin und zwei in Hamburg wurden zwischen 1945 und 1974 abgetragen, in Berlin existiert noch die Ruine eines Flakturms.
Die zum Großteil militärisch genutzten Bauten dienten neben der Unterbringung kriegsrelevanter Betriebe auch dem Luftschutz der Bevölkerung. Als autoritäre, gegen einen "äußeren Feind" gerichtete Verteidigungsbauten war ihre Architektur in erster Linie dem Machtanspruch des NS-Regimes gewidmet: sie sollten militärische Stärke demonstrieren und auch auf die eigene Bevölkerung einschüchternd wirken.  Das militärische Konzept der Flaktürme galt jedoch schon vor Baubeginn als überholt - ihre Errichtung setzte man trotz ausbleibender militärischer Erfolge bis Kriegsende fort. Aufgrund der zunehmenden Einziehungen zur Wehrmacht kamen im Betrieb der Flaktürme jugendliche sogenannte "Luftwaffenhelfer" und sowjetische Kriegsgefangene, sogenannte "Hilfswillige", zum Einsatz.
Auf den Baustellen und in den Zulieferfirmen beutete man die Arbeitskraft hunderter Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus allen Teilen Europas und der Sowjetunion aus. Die Zwangsarbeit hatte für viele einen lebensbedrohenden Charakter und schädigte die betroffenen Menschen noch lange nach ihrer Befreiung und Heimkehr: Unzureichende Sicherheit und Ausstattung auf den Baustellen, Arbeitszeiten in Tag- und Nachtschichten, mangelhafte Ernährung und inadäquate Unterbringung in Lagern führten zu Unfällen und Erkrankungen. Von Vorgesetzten als "Arbeitsunwilligkeit" oder "Sabotageakte" ausgelegte Handlungen, widerständiges oder politisches Verhalten konnten Gestapohaft, eine Internierung in einem "Arbeitserziehunglager" oder die Deportation in ein Konzentrationslager zur Folge haben.
Die den Wiener Flakturmbaustellen zugeordneten Zwangsarbeiterlager befanden sich am Donaukanal nahe der Nußdorfer Schleuse, an der Brigittenauer Lände, an der Stelle der heutigen Wohnhausanlage am Friedrich Engels Platz und im alten Freihausgebäude auf der Wiedner Hauptstraße. Heute existiert von den Barackenlagern nichts mehr. Es gibt keinen Gedenktag, an dem Überlebende oder deren Angehörige an die Stätten der Zwangsarbeit zurückkehren, kein Denkmal, an dem wir hier ihrer gedenken würden. Die Produkte ihrer Zwangsarbeit jedoch sind nahezu unverändert vorhanden:
Die sechs ehemaligen Flaktürme in Wien sind materielle Zeitzeugen und erinnern als Mahnmale an die massenhafte Ausbeutung, Entwürdigung und Vernichtung von Menschen im Nationalsozialismus.


© DI Ute Bauer-Wassmann, iFAG, 26.01.2015
Interdisziplinäres Forschungszentrum
Architektur und Geschichte - iFAG

www.if-ag.org


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Letzte Änderung am: 29.08.2016

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