Geschichte der Hofburg Innsbruck

Die Hofburg in Innsbruck gehört neben der Hofburg Wien und dem Schloss Schönbrunn zu den drei bedeutendsten Kulturbauten Österreichs.

Sie ist das zentrale Bauwerk des großen, heute noch zusammenhängenden Residenzkomplexes, dem folgende Denkmäler angehören: Adeliges Damenstift (Bauteile davon heute: Restaurant Stiftskeller), Silberne Kapelle, Hofkirche (mit Kenotaph Maximilians I. und „Schwarzen Mandern“), Neues Stift (heute: Theologische Universität und Volkskunstmuseum), Dom, Ballhaus (heute: Congress) und Hofgarten.

1350: Die Baugeschichte der Hofburg hängt eng mit der mittelalterlichen Stadtbefestigung und ihren Türmen zusammen. Unter der Herrschaft der Grafen Görz-Tirol verlief dort, wo heute der Osttrakt der Hofburg (Hauptfassade, am Rennweg) steht die Stadtmauer. Drei markante Bauteile der Stadtbefestigung wurden in den Hofburgbau integriert: im Osten das Rumer Tor, auch Saggen Tor genannt (später: Wappenturm, heute: Südrondell mit Durchgang Hofgasse – Rennweg) - im Nordosten ein Rundturm (heute: Nordrondell) - im Nordwesten ein eckiger Wehrturm (heute Bauteil der Hofburg, Museumsraum „Eckkabinett“). Die Stadtmauer mit Graben verlief in leichtem Bogen vom Rumer/Saggen Tor zum Rundturm und setzte sich in Richtung Westen fort bis zu einem Wehrturm. Als unregelmäßig vorspringender Eckblock bzw. quaderförmiger Baukörper ist er heute noch in der Nordwestecke der Hofburg erkennbar. Dieses Areal sollte später das Burgareal bilden.

1396 begann Herzog Leopold IV. von Habsburg (*1371/1395-1406/1411†), dessen Familie seit 1363 Tirol regierte, mit der Erwerbung einzelner Wohnhäuser und Grundstücke des Burgareals. Ferner erwarb er zwei Gartengrundstücke außerhalb der Stadtmauer (heute: Hofgarten).

1406 übernahm sein Bruder Friedrich IV. (*1382/1406-1439†), den seine adeligen Feinde den Beinamen „mit der leeren Tasche“ gaben, die Regierung in Tirol. Er verlegte den Herrschaftssitz von Meran nach Innsbruck. Sein bauliches Hauptinteresse galt aber weniger dem Burgareal als vielmehr dem weiter westlich gelegenen Neuen Hof (heute: Gebäude mit dem Goldenen Dachl).

1453 - 1463: Herzog Sigmund, der in der Blütezeit des Tiroler Bergbaus ein reiches Land regierte, erweiterte das Burgareal durch den Ankauf einiger Häuser in der Hofgasse und mehrerer Gartengrundstücke nördlich davon (bis zum heutigen Dom).

Er begann den Hofburgbau, indem er den Hauptbau am Graben (südliche Hälfte des heutigen Osttraktes am Rennweg) und vermutlich auch einen Teil des Südtraktes (Hofgasse) errichten ließ.

Im Osttrakt dürften sich die Repräsentationsräume und die Kapelle befunden haben. Überliefert ist ein Festmahl für die Adeligen im Jahre 1463, das in einem beheizbaren Saal stattgefunden hat. Im Südtrakt (Hofgasse) befand sich die Kanzlei. Die damals getroffene Funktionsaufteilung wurde auch in Zukunft beibehalten.

 1465: Im Rumer/Saggen Tor wurden ein Raum mit großen Fenstern und eine Wendeltreppe eingebaut. Hier ließ sich Sigmund ein Wohnzimmer mit Wandtapeten und einem großen Spannbett einrichten.

Das sogenannte „Harnaschhaus“ (später: Teil der Äußeren Burg, dann Adeliges Damenstift, heute: Stiftskeller), diente als Lager und Produktionsstätte für Waffen und Harnische. Innsbrucker Ritterrüstungen waren international begehrt.

1495: Nördlich des bestehenden Baukomplexes wurde die „Hintere Burg“ errichtet. Diese „Neuen Frauenzimmer“ bewohnte Maximilians zweite Gemahlin Bianca Maria Sforza mit ihrem Hofstaat. Ihre opulente Mitgift dürfte den umfangreichen Ausbau der Hofburg ermöglicht haben. Die kaiserliche Wohnung und der Festsaal wurden vom 1. ins 2. Obergeschoß verlegt (heute: Riesensaal und angrenzende Räume).

Im Norden, nahe der damaligen Zugbrücke, wurde eine repräsentative Eingangshalle (heute: Gotischer Keller) errichtet.

Nikolaus Thüring d. Ä.,der auch für den Erkerbau „Goldenes Dachl“ verantwortlich war, bekleidete damals die Stelle des Hofbaumeisters. Planung und Bauausführung lagen in seiner Hand.

1496 und 1499: Auf den Überresten des 1494 abgebrannten Rumer/Saggen Tores wurde der Wappenturm erbaut. Der im Dienste Maximilians stehende Hofmaler Jörg Kölderer führte 1499 die Malereien aus. Die Idee geht vermutlich auf Maximilian selbst zurück, der damit schon vor der Kaiserwahl (1508) seine Vorrangstellung in Europa durch die Größe seines Herrschaftsbereiches propagierte. Restaurierungen und Übermalungen (neue Wappen der jeweiligen Regneten) erfolgten unter den Nachfolgern Maximilians bzw. durch deren Hofkünstler 1526, 1604, 1733.

1503 erweiterte man das Harnischhaus. Maximilians häufige Kriege u.a. gegen Venedig hatten außerdem den Bau eines weiteren Waffendepots außerhalb der Stadt erfordert (Zeughaus, heute: Tiroler Landesmuseum).


1519: Die im spätgotischen Stil erbaute Hofburg galt nach dem großzügigen Ausbau unter Maximilian I. als schönster und bedeutendster Profanbau der damaligen Epoche. Sie bot mit ihren abwechslungsreich gestalteten, vielgliedrigen Bauteilen, dem buntem Mauerwerk, der Fachwerkkonstruktion und den grünen und roten Dächern einen lebendigen, farbenfrohen Eindruck. Bereits unmittelbar nach dem Tod Maximilians (1519) besaß sie den Status eines Denkmals.

1520-30: Durch den Um- und Ausbau von 1520-30 wurde ein geschlossener Baukomplex mit ummauerten Höfen geschaffen. Die einzelnen Gebäude (Regierungs-/Ratsgebäude und Kanzlei) im Südwesten, im Westen und im Norden wurden zu einer einheitlicher Außenfront zusammengefasst. Damals erhielten der Große und der Kleine Burghof und der Küchenhof ihre endgültigen Ausmaße. Georg Thüring, der Sohn von Nikolaus Thüring (siehe 1495) leitete den Umbau.

1533: Ferdinand I. war der Begründer der österreichischen Linie der Habsburger. Er schuf ein mitteleuropäisches Reich zwischen der osmanischen Großmacht im Osten und Frankreich im Westen. Ferdinand war ein engagierter Förderer humanistischer Wissenschaft und ein großer Bauherr. Häufig hielt er sich in Innsbruck auf. Ab 1533 diente die Hofburg seiner Gemahlin Anna und den Kindern als ständiger Wohnsitz.

1536-1538: Nach dem Brand von 1534 beauftragte Ferdinand I. den italienischen Architekten Lucius de Spaciis mit der Umgestaltung des Osttraktes (am Rennweg). Im Zuge der Umbauarbeiten wurde schon damals ein neuer Festsaal errichtet, der sich an der Stelle des Riesensaales befand. Soweit die hohen gotischen Dächer den Brand überstanden hatten, wurden auch sie nach und nach (bis 1561) durch flachere, von den Giebeln der Frührenaissance-Fassade verdeckte, ersetzt.

1563-1570: Mit Regierungsantritt Erzherzog Ferdinands II. kam es zu einer neuerlichen, gravierenden Umgestaltung der Hofburg zum Renaissanceschloss im italienischen Stil mit Fassadenmalereien in den Burghöfen. Planung und Bauausführung lagen in den Händen des Hofbaumeisters Giovanni Lucchese, der auch im Schloss Ambras und vorher schon in Prag für Ferdinand II. tätig war.

Gleich bei seiner Ankunft in Tirol befahl Ferdinand II., Kanzlei und Ratsgebäude zu räumen, weil er den Süd- und Westrakt selbst nutzen wolle. 1567 bis 1568 war sein Hofmaler Heinrich Teufel mit umfangreichen Wandmalereien beschäftigt, um den ehemaligen Kanzleiräumen fürstlichen Repräsentationscharakter zu verleihen. Aufwändig gestaltete sich auch die Innenausstattung, die dem nordöstlichen Eckturm (heute: Nordrondell) die Bezeichnung „Goldener Turm“ einbrachte. Wiederholt klagte die Hofkammer über immense Bauausgaben. 1566 musste der Bau wegen Geldmangels vorübergehend eingestellt werden. Letztlich kam es aber doch zur Fertigstellung.

1577: Ein zweites Bauvorhaben umfasste die Aufstockung des Harnischhauses und die Errichtung der Silbernen Kapelle im Verbindungstrakt zur Hofkirche. Der Wappenturm erhielt wieder ein höheres, sichtbares Dach.

1581: Zehn Jahre nach dem kostspieligen Umbau klagte Erzherzog Ferdinand über Schäden an den Dächern über dem „großen Saal“ (Riesensaal) und der Schlafkammer.

1628 äußerte er die Absicht, die Hofburg zu schleifen und einen Neubau zu errichten, was durch Geldmangel infolge des 30-jährigen Konfessionskrieges vereitelt wurde.

Nun war die Hofburg zunehmend dem Verfall ausgesetzt, nur die allernötigsten Reparaturen wurden erledigt. Zur fürstlichen Residenz avancierte das im Hofgarten errichtete Schloss Ruhelust, während die Hofburg nur mehr als Sitz der Ämter diente.

 

1711 erhielten die Tiroler, da sie ohne Landesfürst warten, den Barock-Malern Kaspar und Johann Joseph Waldmann den Auftrag zur Ausmalung des „großen Saales“ (Riesensaal). Den Anlass dazu gab vermutlich die erwartete Durchreise der kaiserlichen Familie. Denn Innsbruck hatte 1665 seine Bedeutung als Residenzstadt verloren. Zentralistisch regierten die Habsburger ihr Großreich nun von Wien aus, die Innsbrucker Hofburg benutzten sie als vornehmes Absteigequartier auf ihren Reisen in den Westen.

1754-1756: Die erste Phase des Umbaus zum Barockschloss erfolgte nach den Plänen des ehemaligen Festungsbau-Ingenieurs Johann Martin Gumpp d. J., Spross der führenden Innsbrucker Baumeister-Dynastie. Zweck des Bauvorhabens war vorerst die Schaffung neuer Amtsräume im Südtrakt (Hofgasse). Das große Treppenhaus, ebenso wie die Vereinheitlichung der Boden- bzw. Raumhöhen in den verschiedenen Bauteilen gehen auf J. M. Gumpp zurück. Er schlug vor, auch im Osttrakt alle engen Stiegen und unnötigen Mauern zu entfernen, komfortable Räume mit einheitlichem Bodenniveau und regelmäßige Fensterachsen zu schaffen. Das teure Umbau-Projekt fand am Habsburgerhof in Wien wenig Zustimmung.

Der Siebenjährigen Krieg (1756-63) unterbrach das Bauvorhaben.

1765: Maria Theresia bestimmte Innsbruck als Ort der Hochzeit ihres Sohnes Leopold mit Maria Ludovica aus der spanischen Linie der Habsburger. Die Hofburg bot damals denkbar schlechte Voraussetzungen für die Unterbringung der kaiserlichen Familienmitglieder nebst Gefolge. Im neu umgebauten Ämtertrakt richtete man Wohnräume für das Kaiserpaar her. Doch Maria-Theresia behagte die Südlage an der ehemaligen Hauptstraße/Hofgasse nicht. Sommerhitze und Lärm sollten der 48-jährigen, übergewichtigen Monarchin erspart bleiben. So bezog ihr Sohn Josef II. die südlichen Räume. Das Kaiserpaar hingegen logierte in den - nachträglich als Kaiserappartements neu errichteten - Räumen im Ost- und Nordtrakt. Damals bestand der Osttrakt aber noch aus verschiedenen, zwar zusammengebauten, aber in Raumhöhe und Bodenniveau unterschiedlichen Baukörpern.

1765 - 1773: Als Franz I. nach einem Theaterbesuch im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten einem Schlaganfall erlag, gewann die Hofburg für Maria-Theresia als Gedenkstätte und Repräsentationsbau an Bedeutung. Im Zuge der Planung des neu gegründeten Adeligen Damenstiftes ergab sich die ästhetische Notwendigkeit der Umgestaltung des Osttraktes. Dieser wurde innen ausgehöhlt.
Man zog neue Decken ein, um in allen Räumen das gleiche Bodenniveau erhalten. Dem in Innsbruck tätigen Hofbaudirektor Constantin Johann Walter wurde ein kreativer Planer zur Seite gestellt. Maria-Theresia entsandte 1767 ihren Hofarchitekten Nicolaus Pacassi, der wenige Jahre vorher Schloss Schönbrunn (UNESCO-Weltkulturerbe) zu einem prunkvollen Residenzschloss im Stil des Rokoko umgebaut hatte. Sein Entwurf prägt bis heute das Aussehen der Hauptfassade am Rennweg.

1774 - 1776: Die Krönung der unter Maria-Theresia geschaffenen Innenausstattung bildete das Deckengemälde im „großen Saal“ (Riesensaal) von Franz Anton von Maulbertsch (1724-1796). Vorerst musste aber (1774) der Dachstuhl entsprechend verändert werden, erst dann (1775) konnte Maulbertsch, der Hauptmeister des österreichischen Rokoko, mit der Arbeit beginnen.

1781-1805: Der Sohn Maria-Theresias, Kaiser Josef II. bestimmte die Hofburg zur Residenz seiner Schwester Maria Elisabeth, die als Äbtissin dem angrenzenden Adeligen Damenstift vorstand. Die kaiserlichen Appartements wurden nun für die Nutzung als ständiger Wohnsitz von nur einer Person adaptiert und nach dem Geschmack der Erzherzogin verändert. Maria Elisabeth genoss in Tirol großes Ansehen. 1790 nahm sie in der Hofbug stellvertretend für ihren Bruder Leopold II, dem Nachfolger Josefs II auf dem Kaiserthron, die Erbhuldigung (Anerkennung eines neuen Landesfürsten) der Tiroler Stände entgegen. Als die Habsburger 1805 Tirol an Bayern abtreten mussten, übersiedelte sie zuerst nach Wien, dann nach Linz, wo sie 1808 verstarb.

1805 -1808: Nach der Niederlage gegen Napoleon musste Österreich im Frieden von Pressburg (1805) Tirol an das mit Napoleon verbündete Bayern abtreten. Die Hofburg wurde zur Nebenresidenz des bayrischen Königs Maximilian I. Josef (1756-1825).

Für die kurzen Aufenthalte des Königspaares wurde sie 1808 mit zahlreichen Möbelstücken aus München eingerichtet.

1809: Der Südtiroler Gastwirt, Vieh- und Weinhändler Andreas Hofer organisierte mit Gleichgesinnten einen Aufstand gegen die als Besatzung empfundene bayrische Verwaltung. Nach der siegreichen 3. Schlacht am Bergisel (Innsbruck-Süd) am 13. August 1809 übernahm er die Regierung in Tirol und residierte zwei Monate lang in der Hofburg - bis zur nächsten, verlustreichen 4. Bergisel-Schlacht.

1809-1815: Nach dem Tiroler Aufstand erfolgte die luxuriöse Neugestaltung der ehemaligen Kaiserappartements zur Winterresidenz des als Statthalter und Truppenkommandanten von Tirol eingesetzten, bayrischen Kronprinzen Ludwig (*1786-1868†) und seiner Gemahlin Therese Charlotte von Sachsen-Hildburghausen (*1792-1854†).

Mit Napoleons Niederlage und dem Wiener Kongress erfolgte 1815 die Neuordnung Europas. Tirol kam wieder zu Österreich. Die kostspielige bayrische Einrichtung wurde vor der Rückgabe der Hofburg an die Habsburger in aller Eile in verschiedene bayrische Residenzen transferiert.

1838: Der regierungsunfähige Kaiser reiste 1838 nach Tirol, um die traditionelle Erbhuldigung entgegenzunehmen.

In Tirol wie auch in den übrigen habsburgischen Erblanden erfolgte die Inthronisation eines neuen Herrschers nicht durch dessen Krönung (wie in Böhmen und Ungarn), sondern durch die Zeremonie der Erbhuldigung, bei der die im Landtag vertretenen vier Stände (Adel, hohe Geistlichkeit, Bürger, Bauern) dem Herrscher Gehorsam gelobten. Im Gegenzug garantierte der Herrscher die Landesverfassung für die Dauer seiner Regierungszeit. Bei dieser Zeremonie wurden die königlichen Insignien (z.B. Reichsapfel, Zepter) und der Erzherzogshut verwendet.

Für den bevorstehenden Anlass musste die Hofburg neu möbliert werden. Der Innsbrucker Kunsttischler Johann Geyr erhielt den Auftrag. Seine individuell und qualitätvoll ausgeführten Biedermeier-Möbel wurden um 1900 an den kaiserlichen Hof nach Wien überstellt.


1848: Angesichts der europaweit miserablen Existenzbedingungen der Industriearbeiter hatten Karl Marx und Friedrich Engels unter dem Slogan „Proletarier aller Länder vereinigt euch“ zur Revolution aufgerufen. Gleichzeitig brodelte es im bürgerlichen Lager, nationalistische und demokratische Ideen verbreiteten sich. Ferdinand I. der Gütige floh vor der Revolution aus Wien. Die Forderungen der aufständischen Arbeiter, Bürger und Studenten nach sozialen Verbesserungen (z.B. 10-Stunden-Tag, Lohnerhöhung, Gründung eines Arbeitervereins), Befreiung der Bauern von der Grundherrschaft, einer konstitutionellen Monarchie, Wahlen, Pressefreiheit, usw. wurden nur teilweise erfüllt. Von Mai bis August lebte Ferdinand mit seiner Familie und seinem Hofstaat im Exil in der Innsbrucker Hofburg. Im Dezember dankte der kinderlose Herrscher ab. Sein Neffe folgte ihm als Kaiser Franz Josef I. auf den Thron.

1858: Der Bruder Kaiser Franz Josefs I. (*1830/1848-1916†) residierte 6 Jahre lang als Statthalter von Tirol und Vorarlberg in der Hofburg. Unter seinem Einfluss erfolgte die letzte große Neugestaltung der Kaiserappartements (im 2. Obergeschoß) nach dem Vorbild von Schönbrunn. Der Wiener Hofbildhauer August La Vigne wurde beauftragst, den Wohnbereich im damals modernen Stil des Zweiten Rokoko zu gestalten. Viele dieser Einrichtungsgegenstände befinden sich noch heute in den kaiserlichen Räumen.

Karl Ludwig selbst wohnte im 1. Obergeschoß in der Statthalter-Wohnung, die für ihn und seine Gemahlin Margarethe von Sachsen vergrößert wurde. In weiterer Folge wurden damals Veränderungen in der Hofburg erforderlich, um dem zahlreichen Gefolge, das Karl Ludwig als Mitglied der kaiserlichen Familie mitbrachte, Platz zu bieten. 1861 danke er ab und verließ Tirol.

1864/65: Der kaiserliche Wohnbereich war nun zur Gänze neu hergestellt. Im Jahr der Fertigstellung hielt sich Kaiser Franz Josef nur einen Tag in Innsbruck auf. Etwas länger konnte Karl Ludwig selbst den neuen Luxus genießen. Er wohnte vom 26. September bis 2. Oktober 1864 in den Räumen, deren Ausstattung er so wesentlich mitbestimmt hatte.

Zur Umgestaltung der Repräsentationsräume kam es nicht mehr.

Ferdinand dem Gütigen, der 1848 zugunsten von Franz Josef I. abgedankt hatte, dürfte es in Innsbruck gefallen haben. Denn er und seine Gemahlin Maria Anna verbrachten 1849, 1850 und 1866 den Sommer in Innsbruck.

Kaiser Franz Josef I kam im Laufe seiner langen Regierungszeit wiederholt nach Innsbruck, seine Gemahlin Elisabeth (Sisi) übernachtete 4 mal, in der Hofburg, davon 3 mal Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts bei Ihren Reisen nach Meran.

Längere Zeit wohnten im späten 19. Jh. und Anfang des 20. Jhs. die verwandten Erzherzöge, Franz Josefs Onkel Ferdinand Karl (*1818-1874†), Cousin Eugen (*1863 – 1954†) und Neffe Heinrich Ferdinand (*1878 – 1969†) im Kaiserappartement der Hofburg.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918): Ein Jahr vor dem Ende der Habsburgermonarchie erfolgte unter Kaiser Karl I. und seiner Gemahlin Zita als letzte bauliche Veränderung der Einbau eines Badezimmers und einer Toilette mit Fließwasser. Man wählte dafür das südlich ans kaiserliche Schlafzimmer angrenzende Kabinett. Die dort befindliche Stiege wurde entfernt.

1995-99 erfolgten unter der Leitung des Innsbrucker Architekten Hubert Prachensky umfassende Baumaßnahmen zur Sanierung und Vitalisierung der gesamten Hofburg sowie der Neubau des Eingangsbereiches zum Museum.

Die Kaiserliche Hofburg zu Innsbruck erhielt dafür die Auszeichnung "Goldener Rollstuhl" und wurde für den Staatspreis für Revitalisierung nominiert. Unter den Preisträgern konnte die Burghauptmannschaft Österreich letztlich deshalb nicht rangieren, weil dieser Preis an staatliche Betriebe nicht vergeben wird.

Vitalisierung

Die Idee einer Vitalisierung entstand bereits in der 1980er Jahren. Das Ende der Monarchie hatte gleichzeitig das Ende der Hofburg als kaiserlicher Wohn- und Verwaltungsbau bedeutet. Die barocke Bausubstanz mit ihren spätgotischen Grundmauern war zunehmend dem Verfall preisgegeben. Bombenschäden aus dem 2. Weltkrieg trugen das ihre dazu bei.

Das Gesamtkonzept der Vitalisierung wurde 1992 unter der Leitung von Tirols führendem Architekten Hubert und Michael Prachensky in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt/ Landeskonservatorat für Tirol, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten, der Bundesgebäudeverwaltung II Innsbruck erstellt. Es sah eine klare Trennung zwischen dem Historischen und dem Neuen (Foyer) vor. Das Foyer bildet mit dem offenen Kassa-/ Shopbereich und der dahinterliegenden Ausstellungshalle einen Mehrfach-Funktionsbereich, der durch architektonische Akzente optisch, aber nicht räumlich getrennt ist.

Glaselemente und Durchblicke binden die moderne sachlich-dezente Architektur an die historischen Bauformen an. An den verputzten Wänden wurden so genannte Sichtfenster freigelassen, um das mittelalterliche Mauerwerk sichtbar zu machen.

Durch die Freilegung zugeschütteter Bereiche, z.B. entlang der romanischen Stadtmauer konnten im heutigen Kellergeschoß Verbindungsgänge zwischen den Eingangsbereichen in der Hofgasse (im Süden; mit neu erbautem Foyer) und jenem in der Herrengasse (im Norden) geschaffen werden. Dieser Gang verbindet auch den Barockkeller mit dem Gotischen Keller. Beide können nun als Sonderveranstaltungsflächen, aber auch als Erweiterung des Museums dienen.

Die Verbindung von historischer Bausubstanz mit moderner Infrastruktur ermöglicht eine sanfte, verantwortungsbewusste Nutzung des sensiblen Baukörpers. Dem modernen Umbau und der umfangreichen Sanierung and Adaptierung des Schloss- bzw. Burgbaus folgte der Einbau zeitgemäßer Technik. Die Anbindung an den Zentrallift erleichtert den Transport (Objekte, Catering).

Das behindertengerecht und in modernstem Standard ausgestatte Kulturdenkmal im Zentrum der Stadt Innsbruck stellt damit einen Museums-, Ausstellungs- und Veranstaltungsbereich für gehobene Ansprüche dar. In weiterer Folge soll hier ein innerstädtisches Museums- und Kulturzentrum geschaffen werden.

Auszeichnungen

Die Kaiserliche Hofburg in Innsbruck wurde im Jahr 2000 vom Verein zur Förderung körperbehinderter Menschen als empfehlenswerter Betrieb mit dem Goldenen Rollstuhl ausgezeichnet. Es ist uns daher ein besonderes Anliegen, dass die Öffentlichkeit und vor allem die für Behinderte tätigen Vereine bzw. Institutionen davon Kenntnis erlangen.

Die Kaiserliche Hofburg in Innsbruck wurde außerdem im Jahr 2000 für den Staatspreis „Revitalisierung“ nominiert, der für Vitalisierungskonzepte sowie Umbauten historischer Gebäude vorgesehen ist.